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Urs

Aus dem Leben eines Spamers

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ich finde die zahlen noch interessant:

Aus dem Leben eines Spammers
22.06.2004

Der Niederländer Rejo Zenger bietet einen interessanten Einblick in die Arbeit und das Vorgehen eines Spammers. Es geht dabei um keinen großen Fisch. Vielmehr um einen Kleinkriminellen, der heute seine Spam-Aktivitäten wieder eingestellt hat. Aber eben einer von vermutlich Tausenden.

Der Anti-Spam-Akivist Zenger dokumentiert die bei einem abendlichen Gespräch erhaltenen Informationen sehr gründlich. Seine Beschreibung des Werdegangs des Spammers zeigt vor allem, dass die Spammer selbst inzwischen Zielgruppe geworden sind. Wer am Spam verdienen will, dem greifen die verschiedesten Anbieter unter die Arme und in die Tasche.

Der von Zenger "S. Pammer" genannte Mann war bis vor Monaten noch selbst einfacher Spam-Empfänger. Und eines Tages erwarb er ein nicht näher bezeichnetes Produkt, für das er Spam erhalten hatte.

Das wirtschaftliche Potential dieser Vertriebsform ging ihm auf, als er auf der Packung des Produktes den Namen des Herstellers fand und dessen WWW-Auftritt besuchte. Sein Spammer hatte nur ein Fünftel von dem bezahlt, was er S. Pammer abknöpfte. Also beschloss S.Pammer, das gleiche Produkt auf die gleiche Art und Weise zu vertreiben, wie sein neues Vorbild.

Zunächst begann alles im Kleinen. Die Mail-Adressen besorgte er im WWW. Allerdings ohne Einsatz einer Harvester-Software (Erntemaschine), sondern ganz einfach per Hand. Da ihm das bald zu umständlich erschien, kaufte er für 300 Euro eine CD mit 4 Millionen Adressen. 2,4 Millionen davon waren schon aufgrund der fehlerhaften Syntax erkennbar untauglich. Weitere 10 Prozent verursachten ein Bounce-Back. Blieben also etwa 30 Prozent oder 1,2 Millionen möglicherweise intakter Adressen.

Auf die Bezahlung der CD verzichtete S. Pammer übrigens, weil er aufgrund der unprofessionellen Rechnung des Adress-Händlers erst einmal testen wollte, was passiert. Dieser fackelte aber nicht lange und übergab den Vorgang einem Inkassobüro, das nun 388 Euros kassierte.

Für den Versand nutzte der Spam-Novize zunächst seinen Dial-In Account bei einem niederländischen Provider. Der kündigt ihm nach dem zweiten Versand. Das Gleiche gilt für den von ihm genutzten Hosting-Provider, der mit anonymisierten Dienstleistungen wirbt.

Auch dieser kündigte S. Pammer nach dem zweiten Versand. Allerdings nicht aus moralischen oder rechtlichen Gründen. Ihm war einfach das Risiko zu groß, seine Konnketivität könnte unter den Mail-Bomben der verärgerten Spam-Empfänger leiden. Zwei weitere Versandaktionen liefen über die Server der Universität Rotterdam. Die Verantwortlichen dort reagierten nicht einmal.

Nach diesen ersten Gehversuchen legte S. Pammer erst einmal eine Orientierungspause ein. Er hat beispielsweise schon von offenen Proxies gehört und von "schußsicherem" (bullet proof) Hosting in China. Mit diesen Themen setzte er sich nun auseinander.

Die letzten Monate betätigte er sich in weit professioneller Manier als zu Beginn. Er fand einen Mail-Service, der 400.000 Spam-Mails für 50 Dollar versendet. Das aber nicht über eigene Server, sondern über eine schlecht gepflegte Liste ungeschützter SMTP-Server. Aus den von Zenger gezeigten Screen-Shots geht hervor, dass Kunden dort auch "eigene" Server-Angaben machen können.

Für das Hosting seiner Verkaufsseite beauftragte er wiederum einen britischen Provider. Der wies ihm ein Konto bei einem chinesischen Provider zu, bei dem S. Pammer einen FTP-Zugang erhielt. Dafür verlangt das britische Unternehmen 125 Euro im Monat.

Was aber besonders erstaunlich an der Darstellung von Zenger beziehungsweise S. Pammer ist: Schon diese dilettantischen Spam-Aktionen führen zum Erfolg. Alleine in den letzten 5 Tagen seiner Spam-Tätigkeit hat S. Pammer 250.000 Mails verschickt und 64 Bestellungen dafür erhalten. Damit erzielte er Einnahmen in Höhe von 1.280 Euro.

Nach Abzug aller Kosten bleibt ihm ein Überschuß von 523 Euro, den er nun noch versteuern will. Das ist zugegeben nicht viel. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er mit seiner Tätigkeit ein nicht unbeträchtliches Risiko eingeht. Und das nicht nur aus rechtlicher Sicht.

Doch besonders ärgerlich muss es einem Außenstehenden erscheinen, dass von solchen Existenzen wie S. Pammer inzwischen ein Nischenmarkt profitiert, der praktisch kein Risiko zu tragen hat. Das gilt für den Adress-Händler ebenso wie für den Mail-Dienstleister und den britischen Mittelmann.

Sie alle verdienen am Spam-Geschäft mit, müssen aber höchstens mit geringen Sanktionen rechnen. Aber letztendlich ist das ein Muster, das sich wohl bei jeder Form der Kriminalität wiederholt.

originaltext in english (quelle der quelle wink.gif

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